
Das Handy ist womöglich das beste Propagandamittel, das die rechtsextreme Szene nutzen kann, um junge Menschen jeden Tag zu mobilisieren. Auf dieser Seite stellen wir Informationen und Unterrichtsmaterialien zur Verfügung – als Hilfe für Lehrkräfte.
Bei sich selbst anfangen
Bevor wir über Fakten und rechtsextremes Gedankengut aufklären, sollten wir bei uns selbst anfangen. Wir sind alle rassistisch geprägt und haben Stereotype im Kopf, die perfekten Nährboden für populistische Narrative bieten.
👉 Empfehlung: Schauen Sie mit Ihren Schüler*innen dieses Video.
Was ist Populismus?
Eine der ersten Fragen, mit denen wir uns auseinandersetzen: „Was ist Populismus und wie sollten wir damit umgehen?“
TikTok als rechtes Mobilisierungs-Tool
Maximilian Krah ist ein wichtiger Akteur. TikTok-Videos wecken Emotionen, sind schnell geschnitten und oft humorvoll – niemals länger als ein, zwei Minuten.

Analysieren Sie den Beitrag „Nein zu noch mehr Flüchtlingen!“ und fragen Sie die Schüler*innen, was passiert, wenn sie diesen Post jeden Tag sehen würden. Rassistische und antisemitische Chats sind dort Alltag.
Die neuen Rechten erstellen „Social Bots“ – KI-Roboter, die 24/7 Kommentare schreiben, um das Gefühl breiter Zustimmung zu konstruieren.

Tarn-Influencer*innen
YouTuber wie „Ketzer der Neuzeit“ oder „eingollan“ wirken oft einfach lustig und unterhaltsam. Zwischen den Zeilen lauert Ausländer-, Queer- und Demokratiefeindlichkeit. Die neuen Rechten tragen keine Springerstiefel mehr – sie haben einen blonden Mittelscheitel und wirken sympathisch.
Junge Nationalisten & ZDF-Doku
Die Jungen Nationalisten sind die offizielle Jugendorganisation der Partei „Die Heimat“ (ehemals NPD) – heute eine der größten Jugendorganisationen rechter Parteien.
👉 Doku-Empfehlung: „Jung. Radikal. Organisiert.“ (ZDF-Mediathek)
White-Power-Symbole
„White Power“ bedeutet „Weiße Macht“ und wird im Sinne von „weißer Vorherrschaft“ verwendet. Die White-Power-Faust ist einer der Schlüsselbegriffe und meistgebrauchten Slogans der neonazistischen Skinhead-Szene. Mittlerweile übernehmen rechtsextreme Jugendgruppierungen das Zeichen.

Tradwife-Bewegung
Auf Social Media verbreitet die Tradwife-Bewegung ein uraltes Frauenbild aus den 30er–50er Jahren: Die Frau sei dafür da, „perfekte deutsche Kinder“ großzuziehen. Wichtig ist hier: weiß, blauäugig, hübsch gekleidet – Idealbild einer „deutschen Frau“.
Dieses Familienbild zeichnet die AfD in ihrem Wahlprogramm ab. Junge „Mädels“ lernen in Camps der Jungen Nationalisten, wie „eine deutsche Frau“ zu sein hat: Haare flechten, Blumen pflücken, kochen.
Identitäre Bewegung & #120db
Die rechtsextreme Identitäre Bewegung rund um Martin Sellner rekrutiert vor Schulhöfen mit attraktiv designten Flyern.
Die rechte Frauenbewegung #120db spricht Werte an, die wir alle unterschreiben würden – Gewalt an Frauen. Das Problem: Sie macht „den ausländischen Mann“ zum alleinigen Täter. Frauenrechte werden missbraucht, um Hetze gegen Menschen mit Migrationsgeschichte zu legitimieren.
TikTok bei Erstwähler*innen
Bei den Landtagswahlen 2024 in Thüringen, Sachsen und Brandenburg waren 71 % aller politischen Inhalte auf TikTok bei Erstwähler*innen von der AfD.
Faktencheck: Migration und Kriminalität
- 2019–2022 kamen knapp 1,2 Mio. Geflüchtete nach Deutschland – der Tatverdächtigenanteil Zugewanderter sank im selben Zeitraum von 8,0 % auf 7,4 %.
- 1993: 650 Morde bei 7 Mio. „Nicht-Deutschen“. 2023: 214 Morde bei 14 Mio. „Nicht-Deutschen“.
- Auch das Ifo-Institut belegt: Migration korreliert nicht mit steigender Kriminalität.
- Hauptfaktoren: männliches Geschlecht und psychische Erkrankungen.
Knapp 85 % aller Medienberichte über Straftaten thematisieren Nicht-Deutsche, obwohl diese 2023 nur 33,3 % der Tatverdächtigen ausmachten. Die Medien konstruieren eine Wirklichkeit, die nicht existiert – perfekter Nährboden für AfD und rechtsextreme Gruppierungen.
👉 30-min Doku zur Statistik: YouTube
Beutelsbacher Konsens
Im Schnitt verbringen Jugendliche ca. 90 Minuten täglich auf TikTok – oder mit den Worten von Erik Ahrens (Kampagnenmanager der AfD): „Man hat 90 Minuten am Tag ein Fenster in deren Gehirn, wo man reinsenden kann.“
Als Lehrkraft sind Sie verpflichtet, über die AfD und die Strukturen der neuen Rechten zu informieren. Genau das sagt auch der Beutelsbacher Konsens.
Zitat Christian Lüth (AfD, 2020): „Am Ende können wir die immer noch alle erschießen oder vergasen oder wie du willst.“
Was kann man tun?
- Beiträge nicht teilen, sondern melden
- Jede Interaktion schafft neue Reichweite
- Beiträge oder Kommentare melden
- Kommentare kurz klarstellen und gegenhalten
- Demokratischen Accounts (wie uns) folgen
- Sich demokratisch engagieren
Aussteiger*innen-Geschichten
Falls Sie Sympathisant*innen der rechten Szene in Ihrer Klasse bemerken: Aussteiger*innen-Video. Bei extremen Fällen empfehlen wir Kontakt zur „Roten Linie“.
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